„Mit einer Stimme für den Spessart“

Auf dem Weg zur gemeinsamen Marke: Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung von der Spessart Tourismus und Marketing GmbH und dem Tourismusverband Spessart-Mainland e.V.

Die Spessart Tourismus und Marketing GmbH und der Tourismusverband Spessart-Mainland e.V. rücken in der Außendarstellung künftig nah zusammen. Über die Gründe und Notwendigkeit, die hessische und bayerische Seite des Mittelgebirges zusammen zu denken, sprechen wir mit den beiden Geschäftsführern Bernhard Mosbacher und Michael Seiterle.

Zwei Bundesländer. Zwei DMO. Warum jetzt diese verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit – insbesondere im Bereich der Kommunikation nach außen? 

Seiterle: Wir standen vor der Situation, dass zwei DMOs denselben Naturraum bespielt haben – mit unterschiedlichen Strategien, Markenauftritten und Kommunikationswegen. Für Gäste, Partner und Leistungsträger war kaum erkennbar, wer eigentlich für was zuständig ist. Der Markt hat uns faktisch gezwungen, zu reagieren. Ein gemeinsamer Auftritt war die logische Konsequenz, um Verwirrung zu vermeiden und die Kräfte zu bündeln. 

Mosbacher: Genau – der Gast denkt nicht in Grenzen. Der Naturraum Spessart endet nicht an der hessisch-bayerischen Landeslinie. Schon 2021 hat eine Umfrage bei Stakeholdern gezeigt, dass die Region als Einheit wahrgenommen werden soll. Die Zusammenarbeit wurde auch von der hessischen Landesebene unterstützt – das Ziel war, schlagkräftige Strukturen zu schaffen und Fördermittel an genau solche Prozesse zu koppeln. 

Wo gab es im Prozess die größten Hürden – und wie sah die Lösung aus?

Mosbacher: Eine wesentliche Herausforderung war die innere Kommunikation. Wir hatten auf beiden Seiten gewachsene Strukturen – mit unterschiedlichen Philosophien, Routinen und Zielvorstellungen. Dazu kam die Komplexität der Ebenen: zwei DMOs, mehrere Arbeitsgemeinschaften und lokale Initiativen. Erst als wir diese Unterschiede offen angesprochen und wertgeschätzt haben, entstand eine gemeinsame Basis. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt das Marken- und Zielgruppenpapier, das heute die Grundlage des Auftritts bildet. 

Seiterle: Es war ein intensiver Prozess. Wir mussten lernen, die jeweilige Historie anzuerkennen und trotzdem zusammen eine neue Identität zu formen. Das war teils auch „Vergangenheitsbewältigung“, wie Bernhard es nennt. In mehreren Workshops mit Stakeholdern und Partnern haben wir das gemeinsam aufgearbeitet. Wichtig war: Es geht nicht um ein gemeinsames Logo, sondern um gemeinsame Inhalte und ein einheitliches Verständnis von Tourismus. 

Gab es externe Unterstützung oder Beratung bei dem Prozess?

Seiterle: Ja, wir haben bewusst externe Begleitung hinzugezogen. Eine neutrale Moderation hat geholfen, die richtigen Fragen zu stellen und eine gemeinsame Roadmap zu entwickeln. Wir wurden strukturiert durch den Prozess geführt. Ohne diesen Blick von außen wäre der Weg sicher schwieriger gewesen. 

Mosbacher: Wir haben bereits 2022 mit dieser externen Begleitung begonnen. Es gab insgesamt sechs größere Workshops mit Teammitgliedern und regionalen Stakeholdern. Durch diese externe Moderation konnten wir gemeinsam eine Richtung definieren und Vertrauen aufbauen. Das war entscheidend, um aus verschieden gewachsenen Organisationen ein neues, gemeinsames System entstehen zu lassen. 

Was verändert sich jetzt aus der Perspektive des Gastes? 

Mosbacher: Für Gäste wird der Spessart nun als eine Einheit erlebbar. Es gibt eine zentrale Anlaufstelle, eine gemeinsame Info-Mail-Adresse, künftig eine gemeinsame Website und ein einheitliches Corporate Design. Damit endet eine Ära, in der für unsere Teams Alltag war, Anrufern zu erklären, wo sie gerade gelandet sind. Wichtig ist nun, dass auch operativ Angebote zusammengeführt werden.  Der Gast soll das neue Miteinander am Ende nicht nur im Design sehen, sondern auch im Erlebnis spüren. 

Seiterle: Zentralisierung schafft Klarheit. Die Gäste wissen jetzt, an wen sie sich wenden können, statt in unterschiedlichen Strukturen hängen zu bleiben. Der Newsletter, die Printobjekte, die Kampagnen – alles läuft inzwischen unter der neuen Marke Spessart. Ziel ist, dass es keinen Unterschied mehr macht, ob jemand seinen Aufenthalt in Hessen oder Bayern plant – die Spessart-Erfahrung bleibt konsistent. 

Was werden dafür konkret die  weiteren Schritte sein? 

Seiterle: Der gemeinsame Markenauftritt war ein wichtiger Meilenstein, aber kein Endpunkt. Wir wollen schrittweise weitere Partner und Organisationen aus der Region einbinden. Ziel ist, dass alle den Mehrwert erkennen – denn 1 + 1 ist bei uns letztlich 3. Nur gemeinsam sind wir sichtbar und wirksam. 

Mosbacher: Ganz klar: Wir stehen erst am Anfang. Die Marke „Spessart“ soll künftig als Dachmarke dienen, unter der sich auch touristische Arbeitsgemeinschaften, lokale Produzenten und Betriebe wiederfinden. Entscheidend ist, gemeinsame Qualitätsstandards zu definieren und Synergien entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu nutzen. 

Was würden Sie anderen Regionen raten, die grenzüberschreitend miteinander arbeiten wollen? Was sind Ihre Learnings?

Mosbacher:  Offenheit und Geduld sind das A und O. Solche Prozesse brauchen Zeit und die Bereitschaft, alte Strukturen zu hinterfragen. Wichtig ist, Gemeinsamkeiten zu betonen – in unserem Fall der Naturraum Spessart – und auf dieser Basis eine Vision zu entwickeln. Und: interne Kommunikation nie vernachlässigen! Nur wenn alle Beteiligten mitgenommen werden, entsteht nachhaltige Akzeptanz für eine so große Veränderung.

Seiterle: Mein Rat wäre: den Blick auf den Gast nicht verlieren. Es geht nicht um organisatorische Eitelkeiten, sondern darum, das Erlebnis für den Besucher zu verbessern. Externe Moderation kann den Weg dorthin erleichtern. Und: Mut haben, Dinge loszulassen, seine eigene Arbeit in der Vergangenheit zu hinterfragen, ist ebenfalls unerlässlich. Am Ende zahlt sich das aber aus – für Destination, Partner und vor allem für den Gast.