„Inszenierung bleibt auch im B2B-Umfeld wichtig“

Ein Gespräch mit Deborah Rothe, Exhibition Director ITB Berlin, über die anstehende Messe, die Attraktivität und Wachstum der DACH-Halle, und warum der Standbau trotz der Umstellung auf ein B2B-Konzept aufwändig bleibt.


Frau Rothe, wie zeigt sich die Ausstellerfläche und die Zahl der Aussteller 2026 in der DACH-Halle – insbesondere bei den Bundesländern?

Rothe: Der Deutschlandtourismus ist auch 2026 wieder stark vertreten. Wir sehen eine stabile bis leicht wachsende Beteiligung, sowohl bei den Bundesländern als auch bei den touristischen Partnern insgesamt. Bayern, Berlin und Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen treten mit eigenen Ständen auf. Die übrigen Bundesländer – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und dem Saarland – präsentieren sich als Mitaussteller am Stand der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Besonders erfreulich ist auch, dass Bayern und Hamburg ihre Flächen vergrößern. Insgesamt sind wir mit weit über 5.000 Ausstellern nahezu ausgebucht und liegen auf dem Niveau des Vorjahres. Das Interesse an der Plattform ITB Berlin ist damit ungebrochen – auch nach 60 Jahren bleibt sie der zentrale Marktplatz.   

Seit dem Konzeptwechsel auf eine reine B2B-Messe: Der Standbau wirkt weiterhin sehr aufwändig. Warum setzen die Aussteller so stark auf Inszenierung? 

Das ist tatsächlich auffällig – und zugleich erklärbar. Der Tourismus ist eine Branche, die von Emotion, Erlebnis und Begegnung lebt. Selbst im B2B-Umfeld möchten die Aussteller das Markenerlebnis transportieren. Das Standdesign ist dabei ein wesentliches Element, um die eigene Identität zu zeigen und potenzielle Partner hochwertig abzuholen. In gewisser Weise sind die Teilnehmer selbst Markenbotschafter, die ihre Geschichten mitnehmen und weitertragen. Deshalb bleibt auch im professionellen Umfeld die Inszenierung wichtig. Schließlich geht es nicht nur um Produkte, sondern um das Erleben von Reisen – ein Gefühl, das sichtbar, spürbar und erzählbar sein muss.

Viele Aussteller beklagen hohe Kosten, teilweise von rund 300.000 Euro pro Beteiligung. Wie bewerten Sie die Kostenentwicklung?

Die Kosten sind zweifellos gestiegen – aber in nachvollziehbarem Rahmen. Wir selbst haben die Standpreise lediglich moderat, im Rahmen der Inflationsrate, angepasst. Die größeren Hebel liegen bei den Ausstellern selbst: Standbau, Technik, Personal und Reisekosten sind hier die Kostentreiber. Besonders qualifiziertes Personal ist durch gestiegene Löhne und Fachkräftemangel teurer geworden. Hinzu kommen höhere Material- und Logistikkosten. Das betrifft nicht nur die ITB, sondern alle internationalen Messen. Unser Ziel bleibt es, die Konditionen fair zu gestalten und gleichzeitig die Qualität der Plattform zu sichern. Letztlich zählt, dass die ITB den Ausstellern einen messbaren Mehrwert liefert. 

Welche Themen stehen 2026 im Mittelpunkt des ITB-Kongressprogramms – und warum gerade diese? 

Das Motto lautet in diesem Jahr „Leading Tourism and Balance“ – ein bewusst gewählter Leitgedanke. Balance meint das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit, zwischen Menschen und Technologie sowie zwischen Wirtschaftlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung. Tourismus steht heute stärker denn je im Spannungsfeld dieser Themen. Wir greifen sie mit rund 200 Sessions, 400 internationalen Experten und 17 Thementracks auf. Künstliche Intelligenz spielt dabei ebenso eine Rolle wie digitale Assistenten, Agentic-Commerce, Besucherlenkung, Longevity und neue Formen des „Experiential Travel“. Unser Ziel ist, Orientierung zu bieten und zu zeigen, wie sich der Tourismus der Zukunft wirtschaftlich und werteorientiert zugleich gestalten lässt. 

Der Deutschlandtourismus erwartet ein weiteres Rekordjahr. Wo sehen Sie dennoch Herausforderungen? 

Die Zahlen sind erfreulich, doch die Aufgaben bleiben groß. Infrastruktur ist ein zentrales Thema: Verkehrsanbindungen, Netze und Servicequalität müssen Schritt halten, um die Nachfrage langfristig zu sichern. Der Fachkräftemangel drückt ebenfalls – ohne motivierte Mitarbeiter wird das beste Produkt nicht erlebbar. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Reisenden: Nachhaltigkeit, Authentizität und Komfort müssen hier stärker als früher in Einklang gebracht werden. Der Deutschlandtourismus genießt ein hervorragendes Image, aber er muss sich ständig weiterentwickeln – auch im Hinblick auf Digitalisierung, Energieeffizienz und Mobilität. Gerade beim Thema Mobilität haben wir bei der internationalen Fluganbindung – aber auch mit dem heimischen Bahnverkehr – ein größeres Thema. Das gilt es zu lösen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Mit Blick auf den internationalen Tourismus: Wie entwickelt sich der Markt, und welche Trends zeichnen sich ab?

Global sehen wir eine starke Reiselust und gleichzeitig vielfältige neue Trends. Travel Tech und Künstliche Intelligenz sind branchenübergreifend bestimmend – sie schaffen neue Möglichkeiten für (Hyper-) Personalisierung und Effizienz. Themen wie „Experiential Travel“ oder „Longevity“ zeigen außerdem, dass die Gäste intensivere und gesündere Erlebnisse suchen. Auch die sogenannte „Pet Footprint“-Touristik, also Reisen mit und für Haustiere, wächst. Man kann sehen: Weltweit wird nachhaltigeres, bewussteres Reisen wichtiger. Sinnhaftigkeit, Qualität und Verantwortung stehen mehr als früher im Fokus und ziehen in der Produktentwicklung die entsprechenden Angebote nach sich.