Ein Gespräch mit Petra Leingartner, Messeleitung der Messe Wels, über das neue Fachbesucherprogramm auf dem Caravan Salon Austria, Infrastruktur und innovative Konzepte für die Saisonverlängerung, und warum KI gerade für kleinere Betriebe eine große Chance sein kann.
Frau Leingartner, der Caravan Salon Austria veranstaltet dieses Jahr erstmals ein Fachbesucherprogramm. Woher kam der Impuls, jetzt ein solches Format für die Branche zu organisieren?
Leingartner: Wir sind seit 16 Jahren Veranstalter des Caravan Salon Austria und seit Beginn sehr eng mit der Branche verbunden. Eine unserer zentralen Aufgaben ist es auch, den Campingtourismus in Österreich zu unterstützen, und innovative Betriebe und Konzepte immer wieder vor den Vorhang zu holen. Der erste wichtige Schritt war für uns 2025 die Einführung des Camping Star – unser Award, mit dem wir die führenden Campingplätze Österreichs mit dem einzigen österreichischen Campingpreis auszeichnen. Gerade im Bereich der Campingplätze hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel bewegt: Die Qualität steigt kontinuierlich, bestehende Plätze entwickeln sich weiter, vernetzen sich und positionieren sich zunehmend professionell. Diese Dynamik möchten wir sichtbar machen. Das neue Fachbesucherprogramm ist nun der nächste Schritt: Wir möchten damit den fachlichen Austausch fördern, relevante Themen aufgreifen und der Branche eine zusätzliche Plattform für Vernetzung, Inspiration und Weiterentwicklung bieten.
Der 1. Camping Summit Wels widmet sich zentralen strategischen Fragestellungen der heimischen Camping- und Beherbergungswirtschaft. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen?
Leingartner: Die Camping- und Beherbergungswirtschaft befindet sich aktuell in einer sehr dynamischen Phase. Ein zentrales Thema ist dabei die Auslastung über möglichst 365 Tage im Jahr. Gerade für Campingplätze stellt sich die Frage, wie man die Saison verlängern und neue Zielgruppen auch außerhalb der klassischen Hauptsaison ansprechen kann. Dafür braucht es attraktive Angebote, eine entsprechende Infrastruktur und innovative Konzepte. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung der Gäste – und das sowohl national als auch international. Gäste sind heute sehr gut informiert, reisen viel und vergleichen Angebote, Qualität und Service unmittelbar miteinander. Dazu kommen weitere Herausforderungen wie die Professionalisierung der Betriebe, Digitalisierung und auch Nachhaltigkeit. Gerade bei all diesen Themen gilt es, wirtschaftliche Anforderungen mit den Bedürfnissen der Gäste und den Entwicklungen des Marktes in Einklang zu bringen. Genau hier setzt unser Summit an.
Der Campingbranche wird nachgesagt, bei der Digitalisierung nicht gerade ein Vorreiter zu sein. Und jetzt kommt auch noch die KI. Sind die Plätze und Anbieter darauf vorbereitet?
Leingartner: Aus meiner Sicht ist der Digitalisierungsgrad der einzelnen Betriebe sehr unterschiedlich. Gerade bei kleineren, familiengeführten Campingplätzen stehen natürlich oft andere Themen und das Tagesgeschäft im Vordergrund. Gleichzeitig gibt es bereits viele Betriebe, die bereits digitale Lösungen gezielt einsetzen – etwa bei der Buchung, beim Pricing, im Gästemanagement oder im Marketing. Die KI kann dabei unterstützen, Prozesse effizienter zu gestalten, Anfragen schneller zu beantworten, Angebote individueller auf die Bedürfnisse der Gäste zuzuschneiden oder Marketinginhalte zu erstellen. Gerade für Betriebe, die mit begrenzten personellen Ressourcen arbeiten, sehe ich darin eine große Chance. Entscheidend ist Technologien gezielt dort einzusetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert schaffen – sowohl für den Betrieb als auch für den Gast. Genau deshalb ist es uns wichtig, dieses Wissen zu teilen und Berührungsängste abzubauen.
Das B2B-Programm reicht von Nachhaltigkeit über aktuelle Entwicklungen in der gastronomischen Wertschöpfung bis zu Best-Practice-Präsentationen. Auf welche Themen freuen Sie sich besonders – und wird es neben den Impulsen auch Netzwerkformate geben?
Leingartner: Ich freue mich besonders auf den bekannten TV-Koch und Gastronom Mike Süsser von „Mein Lokal, dein Lokal – der Profi kommt“. Er wird spannende Impulse dazu geben, welche Bedeutung die Gastronomie auf einem Campingplatz hat und welches Potenzial darin steckt. Denn Gastronomie kann weit mehr sein als ein zusätzliches Angebot: Sie trägt wesentlich zum Gesamterlebnis der Gäste bei, schafft Aufenthaltsqualität und kann ein wichtiger Bestandteil der Positionierung und des wirtschaftlichen Konzepts eines Campingplatzes sein. Gerade die Kombination aus den Keynotes und den Podiumsdiskussionen mit Campingplatzbetreibern finde ich spannend. So entsteht ein guter Mix aus Inspiration, neuen Perspektiven und konkreten Tipps aus der Praxis.
Als besonderes Highlight wird am ersten Abend wieder der „Camping Star“ verliehen. Erwarten Sie unter den Top-Platzierungen ein paar Überraschungen?
Leingartner: Ja, auf jeden Fall. Die Einreichungen sind heuer wirklich top, und ich bin selbst gespannt, wer es am Ende unter die Top-Platzierungen schafft. Besonders freut mich, dass wir aus allen Bundesländern starke Einreichungen erhalten haben. Der deutliche Zuwachs unterstreicht den hohen Stellenwert des „Camping Star“ als Branchenaward bereits in seiner zweiten Auflage.
Haben Unternehmen, die innovative Produkte anbieten, noch kurzfristig die Möglichkeit, sich auf dem 1. Camping Summit Wels zu präsentieren?
Leingartner: Ein toller Mix an Fachausstellern präsentieren an den beiden Eventtage neue Produkte und Lösungen, die Kombination mit dem breiten Angebot des Caravan Salons ist dabei perfekt. Für dieses Jahr sind somit leider keine weiteren Ausstellerplätze mehr verfügbar. Umso mehr freuen wir uns schon auf neue und weitere Aussteller beim Camping Summit 2027.