ANTWERPEN IST EINE FORTSETZUNG – ABER ANDERS

Blicken mit Vorfreude auf das DestinationCamp 2027 in Antwerpen: netzvitamine-Geschäftsführer Benjamin Buhl & Stefan Möhler. (v.l.)

Ein Gespräch über die Entwicklung des DSTNCMP mit Blick auf Antwerpen 2027, die Diskrepanz zwischen den kurzen digitalen Entwicklungszyklen und langen Entscheidungswegen auf DMO-Ebene, und unerwartet großes Interesse von der Männerseite am Thema Female Leadership.

Das erste DSTNCMP in Südtirol. Wie hat diese touristische Top-Destination auf die Veranstaltung abgestrahlt?

    Benjamin Buhl: Ob es die fast schon italienische Lebensart, die Südtiroler Gelassenheit oder die Professionalität der Gastgebenden war, kann ich nicht sagen. Sicher ist: die positive und konstruktive Grundstimmung war überwältigend. Dazu hat auch die spezielle Atmosphäre im „Kraftort“ Kloster Neustift wesentlich beigetragen.

    Welche Sessions waren besonders gefragt?

      Stefan Möhler: Wir haben offensichtlich mit der Wahl der Themen und Moderationsteams die Bedürfnisse der Branche adressiert. Das wurde besonders deutlich bei den Themensträngen „Female Leadership“ mit einem unerwartet hohen Männeranteil, „Organisationen neu denken“ mit Bernd Reutemanns Motivations- und Moderationsgeschick, aber auch dem Branchenrenner „Digitale Daten“ mit Fokus auf spezifische KI-Tools und Compliance im Umgang mit KI.

      Gab es Session(s), wo ihr vom Verlauf der Diskussion bzw. den Ergebnissen überrascht wart?

        Stefan Möhler: Beim Blick in die WERKSCHAU26 fallen die durchgehend konstruktiven Ergebnisse ins Auge. Ich war immer nur kurz in den Sessions. Besonders intensiv fand ich die Arbeit im Themenstrang „Transformation“ oder das analytische Vergleichen im Themenstrang „Destinationen“. „Co-Kreation“ hat den Aspekt des gemeinsam gestalteten Lebensraums intensiv thematisiert und spannend fand ich die Erkenntnisse zur Generation 9:16 in „Kommunikation und Personalisierung“.  

        Aus deiner persönlichen Sicht: Was sind derzeit die größten Herausforderungen des Destinationstourismus?

          Benjamin Buhl: Das ist zweifellos die Diskrepanz zwischen den kurzen Entwicklungszyklen von Digitalisierung und KI und den langen Entscheidungswegen und den Budgets der Tourismusorganisationen. Zukunftsentscheidend scheint mir die Bindung jeglicher touristischen Maßnahme und Investition an das Gemeinwohl – und zwar mit Blick über die eigenen Grenzen hinaus. Das DestinationCamp will das Bewusstsein dafür schärfen. Die grundsätzliche Herausforderung in jeder Organisation jeglicher Größenordnung ist, dass Führungskräfte lernen, Transformationsprozesse souverän anzuleiten und die alten Beharrungskräfte und Strukturen galant zu überwinden.  

          Mit Wolfgang Weiler wurde der langjährige Macher der Werkschau verabschiedet. Wie geht es in Zukunft weiter mit der Dokumentation des Camps? Wird es weiter ein Magazin geben?

            Benjamin Buhl: Wolfgang hat mit Designerin Monique Voigt die WERKSCHAU über Jahre kontinuierlich zu einem einzigartigen Standardwerk entwickelt. Als Printmagazin, PDF-Ausgabe oder e-Magazin dokumentiert die WERKSCHAU die Erkenntnisse und Rahmenprogramme des DestinationCamp, ermöglicht konkrete Ableitungen aus den Ergebnissen und deren Umsetzung für die eigene Arbeit. An dieser Zielsetzung wollen wir festhalten und zugleich das Format weiterentwickeln.

            Überraschung: Next Stop Antwerpen. Wie kam es dazu?  

              Stefan Möhler: Auf Anregung von vielen DSTNCMP-Teilnehmenden weiten wir den Blick gezielt auf den europäischen Raum. Wir wollen in transnationalen Kontexten nach Lösungen für die aktuellen Herausforderungen Ausschau halten. Frei nach dem Motto: „Transnational denken, regional handeln“.

              Benjamin Buhl: Antwerpen scheint dafür ideal. Belgiens größte Stadt ist weniger „verkopft“ als die politischen Zentren Europas und stärker touristisch ausgerichtet. Hier lässt sich beobachten und erleben wie Mobilität, Tourismus, MICE, Handel, Infrastruktur- und Stadtentwicklung zusammenwirken können.

              Was erwartet die Teilnehmer beim DestinationCamp 2027? 

                Benjamin Buhl: Immer komplexere Herausforderungen brauchen mehr Zeit, sie einzuordnen und zu erörtern. Deshalb verlängern wir die Sessions beim DSTNCMP27 auf jeweils 3 Stunden. Dafür reduzieren wir die Themenstränge auf die vier oder fünf für Entscheider wichtigen Aspekte.

                Stefan Möhler: Es geht verstärkt darum, in Modellen zu denken und im Konkreten zielorientiert zu agieren. Das DestinationCamp soll ein geschützter und exklusiver Treffpunkt für alle sein, die bereit sind, das eigene Handeln und die Referenzsysteme immer wieder neu zu justieren.

                Benjamin Buhl: Das vorläufige Programm ist schon online und über weitere Details informieren wir als FAQ auf der Seite www.destinationcamp.com/tickets. Auch darüber, dass man in Antwerpen nicht Flämisch oder Holländisch sprechen muss – Amtssprachen in Belgien sind auch Deutsch und Französisch. Und die Tagungssprache beim DestinationCamp bleibt natürlich Deutsch.