Projektwettbewerb NaturMomente: Eine Million Euro für die Förderung des ländlichen Tourismus

Fördern mit dem Projektwettbewerb NaturMomente den Tourismus im ländlichen Raum: Kathrin Anselm, Geschäftsführerin für Zentral- und Osteuropa Airbnb, und Anne-Sophie Krause, Stellvertretende Geschäftsführerin DTV. (v.l.)

Noch bis zum 9. September können sich innovative Tourismusprojekte im ländlichen Raum beim von Airbnb und dem Deutschen Tourismusverband (DTV) initiierten Projektwettbewerb NaturMomente bewerben. Eine Millionen Euro sind im Topf. Ein Gespräch mit Kathrin Anselm, Geschäftsführerin für Zentral- und Osteuropa bei Airbnb, und Anne-Sophie Krause, Stellv. Geschäftsführerin DTV, über den Weg von der Idee zur Kooperation, die gemeinsamen Ziele und die Herausforderungen der Tourismusförderung für strukturschwache Regionen.

Wie kam es zu dieser Kooperation zwischen dem DTV und Airbnb? Wer hat die Initiative ergriffen und wie sieht die interne Rollenverteilung aus?

Krause: Airbnb hatte im letzten Jahr mit Unterstützung von VisitBritain den Wettbewerb „Best of British“ sehr erfolgreich umgesetzt. Daraus entstand die Idee, ein ähnliches Projekt in Deutschland ins Leben zu rufen. Deshalb sind sie auf uns zugekommen und haben uns gefragt, ob wir als großer Branchenpartner den Wettbewerb gemeinsam mit ihnen starten – ein Vorschlag, den wir gerne annahmen. Airbnb stellt eine Million Euro bereit, um innovative Ideen für nachhaltigen Tourismus im ländlichen Raum zu fördern. Wir vom DTV steuern unser Fachwissen bei und begleiten den Wettbewerb. Besonders freuen wir uns, dass Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die Schirmherrschaft übernommen hat.

Warum braucht gerade der ländliche Raum Unterstützung, um touristische Projekte umzusetzen?

Krause: Viele bekannte deutsche Tourismusdestinationen liegen in ländlichen Regionen. Unser Fokus liegt jedoch auf Regionen, die dünn besiedelt sind und bislang eine geringe Tourismusintensität aufweisen. Der Wettbewerb soll dabei unterstützen, kreative Ideen mit nachhaltiger Ausrichtung unkompliziert in die Tat umzusetzen. Oft scheitern kleine Projekte an Bürokratie oder hohen Kosten. Wir wollen engagierte Menschen ermutigen, ihre Ideen zu verwirklichen, und so das touristische Angebot im ländlichen Raum zu bereichern.

Welche Rolle spielt der ländliche und naturnahe Raum bei den Buchungen für Airbnb in Deutschland?

Anselm: Wir beobachten, dass immer mehr Reisende das geschäftige Treiben der Städte gegen die Ruhe der Natur tauschen. Statt Wohnungen in der Stadt buchen sie Aufenthalte in Hütten am Waldrand, Häusern am Meer oder Rückzugsorten in den Bergen. Fast zwei Drittel der von deutschen Gästen über Airbnb gebuchten Übernachtungen im Inland wurden im Jahr 2025 außerhalb von Städten verbracht und von 2023 bis 2025 haben die Suchanfragen der Deutschen auf Airbnb nach Reisen in die Natur  innerhalb von Deutschland um 35 Prozent zugenommen. Vorangetrieben wird das Wachstum von Naturreisen auf Airbnb vor allem von Reisenden der Gen Z. Deren Suchanfragen nach Naturreisen auf Airbnb innerhalb Deutschlands sind etwa doppelt so stark gestiegen wie bei den Deutschen insgesamt. Da es in vielen ländlichen Regionen nur wenige oder gar keine Hotels gibt, ist Airbnb eine oft gewählte Plattform für Aufenthalte in der Natur.

Was könnt ihr bei den bisherigen Bewerbungen beobachten und wie lange geht die Bewerbungsphase noch?

Anselm: Wir freuen uns, dass wir in allen vier Wettbewerbs-Kategorien schon richtig starke Bewerbungen sehen, die meisten bislang in der Kategorie “Kultur und Tradition im ländlichen Raum”, gefolgt von “Gemeinschaftstragende Tourismusprojekte”. Was man bei allen Bewerbungen spürt, ist die Liebe zur eigenen Region und die tiefe Verbundenheit mit der lokalen Identität. Bei vielen Projekten steht im Mittelpunkt, etwas bereits Vorhandenes, zum Beispiel ein Gebäude, für etwas komplett Neues zu nutzen. Ein zentrales Thema bei vielen Bewerbungen ist außerdem das Vermitteln von Wissen über die Natur oder die lokale Geschichte – oft durch Menschen vor Ort. Was wir auch beobachten, ist, dass viele Projekte echtes Erleben vor Ort mit digitalem Storytelling verbinden. Wir sind wirklich begeistert von der Kreativität, die wir in den bisherigen Bewerbungen sehen. Die Bewerbungsphase geht noch bis zum 9. September.

Wie ist die Tourismusförderung generell aufgestellt, bzw. braucht es eine bessere Tourismusförderung?

Krause: Die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) ist das wichtigste Förderprogramm für den Tourismus. Damit können Kommunen und Unternehmen in strukturschwachen Räumen Förderung für touristische Projekte beantragen. Viele tolle Tourismusprojekte konnten dadurch in der Vergangenheit realisiert und Destinationen entscheidend weiterentwickelt werden. Leider wurden die Mittel in den letzten zwei Jahren deutlich gekürzt. Wir setzen uns dafür ein, dass die Mittel erhöht werden.

Der Wettbewerb will besonders die Verbindung von ökologischer Verantwortung mit sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit fördern. Gelingt das denn in ländlichen, dünner besiedelten Regionen bislang schlechter als in Städten? 

Anselm:  Der Wettbewerb hat das Ziel, Initiativen zu fördern, die Reisende in ländliche Regionen Deutschlands lenken – in Orte, die touristisch viel zu bieten haben, aber selten im Rampenlicht stehen. So möchten wir dazu beitragen, solche Regionen nachhaltig zu stärken. Gleichzeitig kann dies auch dazu beitragen, übermäßigen Tourismusströmen in bereits besonders beliebten Destinationen entgegenzuwirken – und den Tourismus insgesamt zu entzerren. Aufenthalte in ländlichen Regionen unterstützen Familien, die Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Gemeinden, die bislang oft noch nicht so vom Tourismus profitiert haben, wie sie sich das wünschen.  Sie bedeuten zusätzliche Einnahmen. Ein typischer Gastgeber auf Airbnb im ländlichen Deutschland verdiente im Jahr 2025 durch die Vermietung beispielsweise zusätzlich etwa 4.300 Euro pro Jahr. Ebenso kurbeln sie die lokalen Ausgaben in kleineren Gemeinden an. Wir wissen beispielsweise, dass Besucher in fünf besonders beliebten ländlichen Reisezielen in Deutschland vor Ort durchschnittlich etwa 100 Euro pro Tag ausgeben.

Ist geplant, den Wettbewerb irgendwie weiterzuführen oder ist es erstmal nur eine punktuelle Initiative? 

Anselm:  Wir unterstützen bereits seit vielen Jahren ländliche Gebiete und nachhaltigeres Reisen, beispielsweise durch unsere Partnerschaft mit Schlösser und Gärten e.V.. Aus unserer Sicht ist es jetzt wichtig, das Ende der Bewerbungsphase und die Auswahl der Gewinner-Projekte abzuwarten, bevor wir über konkrete nächste Schritte sprechen, um eine gute Basis für weitere Entscheidungen zu haben. Wir sehen bereits jetzt, dass der NaturMomente Projektwettbewerb gut angenommen wird, was uns sehr freut, und sind gespannt auf die Gewinner.