Max Triphaus, Geschäftsführer Ostseefjord Schlei GmbH

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Ein Gespräch über die akute Verschmutzung der Schlei, eingleitete Gegenmaßnahmen und mögliche Folgen für den Tourismus einer Region, die erst kürzlich die Zertifizierung Nachhaltiges Reiseziel erhielt.

 

Herr Triphaus, wie stellt sich die Lage und das Ausmaß der Verschmutzung aktuell dar?

Im Bereich der westlichen Schlei gibt es je nach Strömung und Windrichtung Bereiche, die stärker betroffen sind. Östlich von Missunde ist die Verschmutzung deutlich geringer, östlich von Lindaunis gibt es nur Einzelfunde. Man muss also differenzieren, nicht die gesamte Schlei ist betroffen, je weiter Richtung Ostsee, desto geringer das Ausmaß.

 

Was für Maßnahmen werden ergriffen – oder haben bereits begonnen –, um die Situation in den Griff zu bekommen?

Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) sind täglich im Gebiet unterwegs. Die Stadtwerke Schleswig haben Personal abgestellt, die täglich die Uferbereiche säubern, die von der UNB als betroffen ausgemacht wurden. Sowohl bei UNB als auch bei den Stadtwerken gibt es Ansprechpersonen, denen man Plastikfunde melden kann. Auch in den TIs nehmen wir Meldungen auf und geben diese weiter.

 

Was heißt die Verschmutzung konkret für den Tourismus im Fjord – und ist eventuell sogar die Sommersaison in Gefahr?

Schwarzmalerei und Dramatisierung bringen uns nicht weiter. Wir suchen nach Lösungen und schauen jetzt nach vorn. Unser gemeinsames Ziel in der Region ist es, die Uferbereiche und das Wasser schnellst- und bestmöglich vom Plastik zu säubern. Das ist eine große Aufgabe, die ein entschlossenes und motiviertes Handeln vor Ort erfordert. Aber die Menschen hier oben, sind es gewohnt anzupacken und daher bin ich sicher, dass die Schlei unseren Gästen auch in diesem Sommer ein herausragendes Naturerlebnis bietet.

 

Was sagen Ihre Gäste, auch die vielen Stammgäste, zu dem Vorfall? Sicher gibt es hier schon Feedback.

Vereinzelt gibt es Fragen zum Ausmaß der Plastikfunde, die wir gern beantworten. Denn durch das Gespräch werden viele Ängste relativiert. Die Rückmeldungen sind bisher, dass unsere Stammgäste nicht auf den Urlaub an Schlei und Ostsee verzichten wollen und uns weiterhin die Treue halten.

 

Wie sieht nun die Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern vor Ort aus?

Viele sind sicherlich in irgendeiner Art betroffen. Wir informieren unsere Leistungsträger über die Ergebnisse unserer Gespräche mit den Behörden, damit wir einen gleichen Informationsstand haben. Nicht jede Meldung in der Presse ist korrekt wiedergegeben, daher versuchen wir aufzuklären und legen dabei Wert auf eine enge Abstimmung mit der UNB.

 

Erste Hinweise auf das Problem gab es bereits 2016. Wie kann es sein, dass solange nichts passiert ist?

Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich kann Ihnen nur sagen, dass mir das Plastik am Schleiufer bis zu den ersten Pressemeldungen nicht aufgefallen ist, obwohl ich viel in der Region und gerade an der Schlei unterwegs bin. Man erkennt die betroffenen Stellen auch nicht auf dem ersten Blick, wenn man nicht danach sucht und dafür sensibilisiert ist.

 

Was bedeutet der von Ihnen selbst nicht verursachte Skandal für Ihr Image als nachhaltige Reiseregion?

Die zeitliche Nähe unserer Zertifizierung als Nachhaltiges Reiseziel mit den Plastikfunden ist natürlich unglücklich. Aber aus dem Nachhaltigkeitsprozess im Tourismus haben wir uns in den vergangenen Jahren ein breites Netzwerk aufgebaut. Wir kennen die Ansprechpersonen in den Behörden und Firmen und können dadurch unsere Belange gut und schnell einbringen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns zuallererst, das Plastik nun bestmöglich aus dem System zu nehmen. Darüber hinaus werden wir aber auch diskutieren, welchen Teil auch der Tourismus zur Müllvermeidung beitragen kann. So haben wir die Chance, aus dieser schwierigen Situation auch einen positiven Anschub für neue Ideen zu generieren.

 

Wer trägt die Verantwortung – und wie kann man derartiges in Zukunft verhindern?

Die Verantwortung müssen die Gerichte klären.