Maxime Lauden
Der Campingtourismus in Deutschland hat sich von einer Nische zu einem tragenden Pfeiler der Freizeitwirtschaft entwickelt. Doch während die Zulassungszahlen für Reisemobile Rekorde brechen, stehen viele Städte und Kommunen vor der Frage: Wie lässt sich diese mobile Gästegruppe professionell bewirtschaften, ohne den kommunalen Haushalt oder das Personal zu überlasten?
Die Antwort liegt nicht in improvisierten Parkplätzen, sondern in einer strategischen Ausrichtung. Am Beispiel aktueller Projekte in Singen (Hohentwiel) und Furth im Wald lässt sich zeigen, wie Kommunen durch Standardisierung und Digitalisierung zu Gewinnern des Camping-Booms werden.
1. Das Ende der Bargeld-Ära: Effizienz durch Digitalisierung
Viele Kommunen betreiben Stellplätze noch nach „altem Muster“: Bargeldbasierte Parkscheinautomaten, die wartungsanfällig sind und regelmäßig geleert werden müssen. So war es lange Zeit auch in Singen, wo letztes Jahr der Camping-Car Park Stellplatz eröffnete. Bis dahin kämpfte die Stadt mit hohem Verwaltungsaufwand, Diebstahl und Beschädigungen an den Kassen. Zudem fehlte jede Möglichkeit zur Reservierung oder zur Erhebung einer Tourismusabgabe.
Eine Umstellung auf ein digitales System mit Schrankenanlage und App-Anbindung reduzierte den Verwaltungsaufwand drastisch. In Singen hat die klare Abgrenzung durch eine Schranke nicht nur den Betrieb geordnet, sondern auch Vandalismus und unbefugte Nutzung eliminiert. Für die Kommune bedeutet das: Maximale Transparenz bei minimalem Personaleinsatz.
2. Wertschöpfung vor Ort: Camper sind kaufkräftige Gäste
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Camper „alles dabei haben“ und der lokalen Wirtschaft wenig bringen. Die Daten zeichnen ein anderes Bild: Schauen wir nochmal nach Singen. Ein Reisepaar gibt dort durchschnittlich 117,20 € pro Tag vor Ort aus. Bei rund 2.925 Übernachtungen seit der Eröffnung im April 2025 generiert dies eine beachtliche wirtschaftliche Auswirkung für den lokalen Einzelhandel und die Gastronomie. Zudem verzeichnete die Stadt Singen im Sommer eine Steigerung der Besucherfrequenz um 30 % gegenüber dem Vorjahr.
Um dieses Potenzial in bare Münze zu verwandeln, müssen Stellplätze jedoch attraktiv und zentrumsnah gelegen sein. In Singen wird die zentrumsnahe Lage mit toller Aussicht von den Gästen explizit gelobt. Wer als Kommune Camping-Touristen anzieht, investiert direkt in die Belebung des eigenen Stadtkerns.
3. Momentum nutzen: Synergien mit Großveranstaltungen
Wie man den Camping-Boom als Katalysator für die Stadtentwicklung nutzt, zeigt das Beispiel Furth im Wald. Hier wurde die Gunst der Stunde genutzt, um pünktlich zur Landesgartenschau einen modernen Stellplatz zu eröffnen. Solche Großereignisse sind der ideale Hebel, um notwendige Infrastrukturprojekte zu beschleunigen. Ein professionelles Stellplatznetzwerk bietet hierbei den Vorteil, dass Marketing und Sichtbarkeit sofort auf europäischem Niveau stattfinden – in Singen etwa stammen bereits 37 % der Gäste aus dem Ausland, vornehmlich aus der Schweiz und Frankreich.
4. Professionalisierung durch starke Partnerschaften
Die Umsetzung eines modernen Stellplatzes ist für eine Stadtverwaltung ein komplexes Projekt, das intern viele Abstimmungen erfordert. Die Kooperation mit einem erfahrenen Infrastrukturpartner erleichtert die Planung und den Betrieb erheblich.
Wichtige Learnings aus der Praxis:
- Vorfinanzierung & Planung: Partnermodelle, die Planung, Beratung und Vorfinanzierung aus einer Hand bieten, entlasten die kommunalen Budgets.
- Qualitätsversprechen: Standardisierte Serviceleistungen (WIFI, Ver- und Entsorgung, 24/7-Support) führen zu höheren Gästebewertungen (in Singen aktuell 4,1 von 5 Sterne).
- Ganzjährigkeit: Während das 3. Quartal mit einer Auslastung von 66 % die Spitze bildet, sorgt ein professionelles Netzwerkmanagement auch in der Nebensaison für Frequenz.
Fazit
Städte und Kommunen müssen Camping nicht mehr „nebenher“ betreiben. Der Erfolg in Singen – mit einer stabilen durchschnittlichen Auslastung von 45 % in die letzten 12 Monaten – zeigt, dass die Nachfrage nach strukturierten Angeboten vorhanden ist. Wer als Kommune Teil des Booms werden will, sollte auf drei Säulen setzen: Digitalisierung zur Prozessoptimierung, Qualität zur Steigerung der Aufenthaltsdauer und Partnerschaft, um von internationaler Marketingkraft zu profitieren. Die Investition in einen modernen Stellplatz ist heute keine Pflichtaufgabe mehr, sondern eine wirtschaftlich hochattraktive Kür für jeden Tourismusstandort.
***
Über den Autor
Maxime Lauden ist seit 2023 Geschäftsleiter der CCP GmbH und European Commercial Director bei CAMPING-CAR PARK. Unter seiner Führung verzeichnete das Unternehmen mit Hauptsitzen in Pornic (Frankreich) und Köln (Deutschland) eine Umsatzsteigerung von 20 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 35 Millionen Euro im Jahr 2025. Nach beruflichen Stationen bei einem internationalen Investmentfonds in München sowie im Bereich Business Development bei Doctolib, leitet Maxime Lauden heute die europäische Wachstumsstrategie von CAMPING-CAR PARK. Er verantwortet die Expansion des Netzwerks mit einem besonderen Fokus auf Deutschland und die DACH-Region, einem Schlüsselmarkt für die europäische Wohnmobil- und Outdoor-Tourismusbranche.