Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT)

Ein Gespräch über die Präsentation des Reiselandes Deutschland auf der ITB Berlin 2026, die Aussichten für den Incoming-Tourismus für das laufende Jahr, und warum die Hub- und KI-Architektur der DZT ein starkes Asset in Verhandlungen mit internationalen Partnern ist.

Wie präsentiert sich die DZT 2026 auf der ITB? Wird es wieder einen konzentrierten Auftritt mit ihren Partnern und den Bundesländern in der DACH-Halle geben?

Hedorfer: Das Konzept der „Deutschlandhalle 27“ hat sich bewährt und inzwischen etabliert. Wir sind wieder mittendrin, sozusagen als „Hub im Hub“ in Halle 27. Neben unserem Frankfurter DZT-Team werden auch unsere Auslandskolleginnen und -kollegen vor Ort sein, um Geschäftskontakte zu knüpfen und zu intensivieren sowie Marketingaktionen zu initiieren. Der zentrale DZT-Stand umfasst rund 1.000 Quadratmeter, auf denen wir uns mit unserer eigenen Organisation und unseren Partnern präsentieren. Sechs Landestourismusorganisationen (LTOs) sind mit uns am Stand vertreten: Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – sie bringen noch 38 Unteraussteller aus ihren Bundesländern mit.

Wer ist als Partner noch am DZT-Stand?

Rund um unsere zentrale Fläche haben wir wieder Counter eingerichtet. Hier beteiligen sich in diesem Jahr der Europa-Park, die Romantische Straße, die Grand Metropolitan Hotels, der UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V., das Deutschland Museum, die Dorint Hotels, Sixt, die AG Leichter Reisen, der Bundesverband Deutscher Gästeführer, Kuoni Tumlare, der RDA sowie der ADFC. Die LTOs, die mit eigenen Standflächen antreten, präsentieren sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Damit haben gerade internationale Partner einen Anlaufpunkt auf dem Messegelände, der die Vielfalt unseres touristischen Angebotes unter dem großen Dach „serviceorientiertes Qualitätsreiseziel Deutschland“ bündelt.

Wie schätzen Sie die Stimmung im deutschen Incoming-Tourismus für das Jahr 2026 ein? Gibt es eine Prognose?

Wir sehen für 2026 Wachstumschancen für den deutschen Incoming-Tourismus. Unsere hervorragende Positionierung im Städte- und Kulturtourismus, einzigartige Naturlandschaften sowie ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sind auch in diesem Jahr eine gute Ausgangslage im internationalen Wettbewerb. Gestützt durch die Prognose von Tourism Economics erwarten wir für dieses Jahr ein Plus von 3,2 Prozent für das Deutschland-Incoming. Und auch bei der internationalen Reiseindustrie stehen die Zeichen auf Wachstum. Das DZT Travel Industry Expert Panel weist zum Jahreswechsel 2025/26 ebenfalls einen deutlichen Aufwärtstrend aus. 61 Prozent der Experten bewerten die Geschäftslage bezogen auf Deutschland im 4. Quartal 2025 positiv, ein Plus von acht Prozentpunkten gegenüber dem 3. Quartal. Und die Aussichten für die kommenden Monate beurteilen 57 Prozent der Befragten positiv – ein Plus von 11 Prozentpunkten. Ein ähnliches Stimmungsbild sehen wir auch bei den Partnern im Deutschlandtourismus.

Mit welchen Themen werden Sie auf der ITB antreten?

Zentrale Themen, die wir 2026 auf der ITB bei den Fachbesuchern adressieren, sind unsere globalen Kampagnen für dieses Jahr: Mit der Themenkampagne ‚Culinary Germany‘ präsentieren wir ab April die Vielfalt und Qualität des gastronomischen Angebotes als Visitenkarte des Reiselandes Deutschland. Die Inspirationskampagne setzt vor allem auf die Awareness der Kernbotschaft „Culinary Germany – Genuss und Kultur in Deutschland“. Die neue Städte-Kampagne ‚Your next Stop: Travel Destination Germany‘, die wir bereits seit Dezember als absatzstärkende OTC-Kampagne mit Expedia bis zum Ende des Jahres weltweit ausspielen, zeigt die Vitalität urbanen Lebens mit seiner weltoffenen und reichen Kulturszene in Deutschland. Die Fortsetzung der globalen Leitkampagne für Nachhaltigkeit „Simply FEEL GOOD“ stellt die internationale Sichtbarkeit und aktive Vermarktung Deutschlands als umwelt-, klima- und sozialverträgliche Destination mit einer Vielzahl an zertifizierten nachhaltigen Angeboten in den Fokus. Außerdem werden wir die Weihnachtskampagne Season’s Greetings from Germany wieder auflegen. Neben den weltweiten Kampagnen setzen wir zusätzliche Akzente mit drei Schwerpunktthemen: 150 Jahre Bayreuther Festspiele, Family and Friends in Nature und der Ausblick auf die IGA 2027 im Ruhrgebiet.

Wie sieht es mit digitalen Themen im touristischen Kontext aus?

Ein großes Trendthema der diesjährigen ITB ist, wie KI inzwischen alle Stufen der touristischen Wertschöpfungskette prägt. Mit dem Open Data/Knowledge Graph-Projekt haben wir für den Deutschlandtourismus eine Dateninfrastruktur für KI-Anwendungen geschaffen, die auch im internationalen Vergleich der National Tourist Boards wegweisend ist. Und durch die Anbindung des Knowledge Graphen an die MCP-Technologie, die die Interaktion zwischen verschiedenen Large Language Models ermöglicht, gehen wir bereits den nächsten Schritt.

Diese Innovationskraft ist ein starkes Asset in den Verhandlungen mit internationalen Partnern. Schon jetzt gibt es zahlreiche Best Practices aus unseren Kampagnen und den marktspezifischen Aktivitäten unserer Auslandsvertretungen, die auf aktuelle Daten aus dem Knowledge Graph aufbauen, beispielsweise das Widget in der Season’s Greetings-Kampagne, das die Daten von 3.400 Weihnachtsmärkten in Deutschland nutzt. In diesem Jahr unterstützt ein Kulinarik-Widget die Culinary-Kampagne, und das Thema Family & Friends in Nature greift auf ein neues Outdoor-Widget zurück. Ein zweiter digitaler Hotspot ist unsere Mixed Reality App UNESCO-Welterbestätten in Deutschland. Diese hat seit ihrem Launch im vorigen Jahr viel internationale Aufmerksamkeit gefunden und wird im ITB-Kongressprogramm am Dienstag auf der eTravel-Stage präsentiert.

Nicht zuletzt veranstalten wir im Rahmenprogramm der ITB zum 14. Mal den Tag des barrierefreien Tourismus. Inklusion ist für den globalen Tourismus ein Zukunftsthema, und wir haben mit dieser Fachveranstaltung ein international anerkanntes Dialogformat etabliert.