Schauinsland Reisen: Positive Bilanz – und eine aufgrund der Pleite von Thomas Cook „massiv veränderte touristische Spielwiese“

Gestern, am 101. Gründungstag, hat Schauinsland Reisen (SLR) in Duisburg seine Geschäftszahlen präsentiert. „Und wir sind stolz und glücklich, dass wir mit unserer Historie heute in einem sehr bewegten Marktumfeld so solide dastehen“, sagte Geschäftsführer und Inhaber Gerald Kassner, der gestern ebenfalls sein 30. Firmenjubiläum feierte. Tatsächlich können sich 1,37 Milliarden Euro Umsatz (+2%) und 1,64 Millionen Reisende (+2 %) sehen lassen. Ein Wachstum, das laut SLR übrigens „überprozentual dem stationären Vertrieb zu verdanken ist“. Auch in Summe kommen 75 Prozent des Umsatzes über die Reisebüros – „unserem nach wie vor wichtigsten Vertriebskanal“, so Kassner.

Trotzdem fiel die Rendite des Familienunternehmens in der Saison 2018/19 mit 2 Prozent gut 1 Prozent niedriger aus als noch in der Vorsaison. „Allen voran die 80.000 Umbuchungen von Kunden nach der Germania-Pleite haben uns viel Geld gekostet“, so Kassner, verwies aber auch auf „teils harte Preiskämpfe in der Türkei“.

Das Aus von Thomas Cook bietet viele Chancen

Über die Insolvenz der Thomas Cook-Veranstalter sagte Kassner: „Ich sehe hier zuerst einmal die große Chance, jetzt bei Partnern in die Bresche zu springen“. Konkret engagiere sich SLR jetzt beispielsweise im Vertrieb verstärkt für die Clubmarke Aldiana. Darüber hinaus stehe man derzeit mit vielen Hoteliers in den Zielgebieten im Kontakt, um Kontingente „gegebenenfalls zu übernehmen“. Aber man müsse nichts schönreden: „Hier findet jetzt auch eine Marktbereinigung statt“, so der SLR-Chef, der an der Stelle betont, „dass eine solche Pleite bei Schauinsland niemals möglich wäre“. Ein Szenario, das angesichts einer Eigenkapitalquote von knapp 40 Prozent und Reserven im zweistelligen Millionenbereich tatsächlich schwer vorstellbar scheint.

Ein großes Thema für SLR: Condor. Unterstützung für Condor sei gerade bei allen im Haus „stark auf dem Schirm“. Und je nachdem, wie diese Thematik in den nächsten Wochen und Monaten weitergehe, „müsste man eventuell sogar überlegen, hier als Minderheitsgesellschafter einzusteigen, um ein Gegengewicht zu vielleicht ungünstigen Entwicklungen zu bilden“, so Kassner, ließ aber offen, welche er damit genau meint.

Um die eigene Airline Sundair hingegen muss sich SLR keine Sorgen machen. Zur Gründung 2016 noch vom einen oder anderen Mitbewerber belächelt, starten die bald sieben Flugzeuge 2020 voraussichtlich erstmals in die Gewinnzone durch – und peilen an, 450.000 Urlauber ab Berlin, Bremen, Dresden und Kassel in die Ferien zu befördern.

Für das Reisejahr 2019/20 planen die Duisburger offiziell ein Gäste- und Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent an. Eine Prognose, die angesichts der zu erwartenden Umverteilung von Kunden nach der Thomas Cook-Pleite und den bis dato eingegangenen Winterbuchungen (+21 % Umsatz / +11 % Gäste) allerdings viel zu pessimistisch ist.