Wolfgang Waldmüller (CDU), Präsident Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

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Ein Gespräch über Mecklenburg-Vorpommern als Partnerland der ITB 2018, das Bemühen um mehr Gäste aus dem Ausland und den festen Willen, bei der jetzt in Berlin vorgestellten Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen, den Spitzenplatz als Urlaubsziel Nr. 1 in Deutschland zu behaupten.

 

Mecklenburg-Vorpommern ist Partnerland der ITB. Wie groß sind die Erwartungen an diesen Titel?

Mecklenburg-Vorpommern ist das beliebteste Urlaubsreiseziel in Deutschland. Allerdings: Auf internationalem Parkett haben wir noch Nachholbedarf. Vor dem Hintergrund des Partnerland-Status‘ knüpfen wir natürlich besondere Erwartungen. Wir wollen bei uns eine neue Aufbruchsstimmung erzeugen, wollen die nächste Stufe der Tourismusentwicklung nach streng qualitativer Ausrichtung einläuten. Wir streben langfristig mehr Internationalität, eine höhere Angebotsqualität und eine stärkere Vernetzung der Angebote an. Die ITB soll die Initialzündung dazu sein. Es folgen unter anderem der Deutsche Tourismustag in Rostock 2019 und der Germany Travel Mart 2020.

 

Wann fiel der Entschluss Partnerland zu werden?

Erst im letzten Herbst und damit zugegebenermaßen sehr kurzfristig. Dahinter steckt eine Riesenleistung der Geschäftsstelle des Landestourismusverbandes und der vielen beteiligten Partner. Gegen die Mitbewerber hat sich Mecklenburg-Vorpommern unter anderem aufgrund seines nachhaltigen touristischen Konzepts durchgesetzt, das die Aktivitäten der Messe in diesem Bereich adäquat widerspiegelt. Urlauber, die bei uns zu Gast sind, haben zum Beispiel die Chance, ihren Aufenthalt CO2-neutral zu gestalten. Möglich ist dies mit Hilfe der sogenannten Waldaktie, von der bereits 85.000 Stück verkauft wurden. Sie ermöglicht ein umfangreiches Aufforstungsprojekt.

 

Mit welchen Maßnahmen wird die Aufmerksamkeit nun zusätzlich zum Alltagsgeschäft getrieben – und wie viel zusätzliches Budget steht dafür bereit 2018?

Für die Präsentation auf der ITB Berlin wurden dem Tourismusverband vom Wirtschaftsministerium rund 1,5 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Höhepunkte der Gastrolle in Berlin sind die Eröffnungsgala am 6. März mit viel Prominenz und MV-Bezug. Weiterhin zu nennen sind die Platzierung von 100 Strandkörben auf der Messe mit der Social-Media-Aktion #mymvmoment sowie die Auftritte beim 1. Berlin Travel Festival für die junge Reisegeneration, bei Fachforen wie dem ITB-Kongress oder dem „ITB Buyers Circle“ sowie die Präsenz der Themen Nachhaltigkeit, Gesundheitsreisen und Aktivtourismus in den Hallen 4.1, 21b und 22b.

 

Wie präsentiert sich MV auf der Messe selbst, gibt es einen neuen Stand oder spezielle Veranstaltungen?

Mecklenburg-Vorpommern präsentiert sich mit insgesamt 26 Ausstellern in der Norddeutschland-Halle mit einem offenen Stand von 400 Quadratmetern Größe, der die Kernthemen des Urlaubslandes widerspiegelt. Anders als in den Jahren zuvor wird das Außengelände der Reisemesse zu einem Drittel MV-beflaggt sein, zudem besetzt Mecklenburg-Vorpommern eine Reihe von Werbeflächen auf der Messe als Partnerland. Dabei sind die Rügener Kreidefelsen und das Schweriner Schloss die beiden Kernmotive. Wir sind mit Fachthemen wie Nachhaltigkeit in Halle 4.1. präsent, stellen unsere Kompetenz im Gesundheitstourismus in Halle 21b vor, wollen Familien mit einem Erlebnisparcours in Halle 22b anlocken und sind nicht zuletzt im Buyers Circle zugegen. Insgesamt belegen wir und 1.000 Quadratmeter Fläche.

 

Gibt es Themen, die im Zuge der Messe besonders in den Vordergrund gestellt werden – und wie unterscheiden sich die Themen fürs Inland eventull von denen für ausländische Gäste.

Unsere Botschaft lautet „Urlaub ist unsere Natur“, in der englischen Entsprechung „The spirit of nature“. Natur ist unsere Stärke, schließlich steht ein Drittel des Landes unter Naturschutz. Kraniche & Kreidefelsen, Küstenwälder und Lagunen, Seen und Ostsee – das begeistert sowohl deutsche als auch internationale Gäste. Darüber hinaus wird es spannend sein zu sehen, wie unsere erste und schon jetzt sehr erfolgreiche Web-Serie „Endlich Ruhe“ (youtube.com/aufnachmv) mit den Grimme-Preisträgern Anneke Kim Sarnau und Hinnerk Schönemann sowie mit Olaf Schubert in englischer Sprache angenommen wird. Wir haben sie in Kanada extra für die ITB und die Eröffnungsgala synchronisieren lassen.

 

Die ITB ist stark international geprägt. Wirbt MV explizit um mehr Gäste aus dem Ausland?

Es stimmt, dass wir im internationalem Tourismus unsere Potenziale noch nicht so ausschöpfen, wie wir es könnten und wollten. Mit vielen Aktionen bemühen wir uns aber verstärkt um internationale Gäste, beispielhaft seien eine Skandinavien-Kampagne in Zusammenarbeit mit der DZT (Ein Smuttur), eine neue Publikation (Travel Magazine) und Kooperationen mit internationalen Transportunternehmen genannt. Von der ITB Berlin aus starten zudem drei Markterkundungsreisen für internationale Einkäufer und Journalisten: auf die Inseln Rügen und Usedom, in die Seebäder und Hansestädte sowie in die Landeshauptstadt Schwerin. Dabei setzen wir auf persönliche Kontakte, die uns Türen öffnen können.

 

Ihr Bundesland musste 2017 ein leichtes Minus bei den Übernachtungen hinnehmen. Andererseits hat Mecklenburg-Vorpommern (Ostsee) gerade den Destination Brand Award als gastfreundlichste Urlaubsregion Deutschlands entgegengenommen. Wie passt das zusammen?

2017 konnten wir das zweitbeste Ergebnis seit 1990 einfahren. Leichte Schwankungen in Spitzen gibt es immer. Wir werden da nicht unruhig, sondern sehen dies als Bestätigung unserer Zielstellung, den Tourismus qualitativ und nicht nach den Übernachtungszahlen der amtlichen Statistik auszurichten.

 

Wie ist die Prognose für das laufende Jahr mit Blick auf die aktuellen Buchungsstände?

Die bislang in diesem Jahr veröffentlichten Studien und Prognosen sind ein Indiz dafür, dass die Tourismusbranche auf ein erfolgreiches Jahr hoffen kann. So bleibt Deutschland laut der 34. Deutschen Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen das beliebteste Reiseziel der Deutschen im Jahr 2018. Bei der auf der ITB vorgestellten Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen wollen wir unseren Spitzenplatz als Urlaubsziel Nr. 1 in Deutschland behaupten. Und wir hoffen, dass wir auch von der ITB Schwung für die neue Saison mitnehmen können. Die Winterferien waren der erste Meilenstein in diesem Jahr, hier waren die Beherbergungsunternehmen gut gebucht. Das lässt auf eine gute Saison hoffen.

 

Im Vorausblick: Welche Themen und Weiterentwicklungen geht der Tourismusverband in den nächsten zwei Jahren konkret an, um seine Spitzenstellung unter Deutschlands Regionen zu behaupten?

Schlagworte sind Internationalisierung, eine stärkere Vernetzung der Angebote und Nachhaltigkeit. Ableitend von der in diesem Jahr erscheinenden Landestourismuskonzeption werden wir diese Themen strategisch angehen. Erste Schritte sind bereits gemacht. So ist unter anderem eine Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie in Planung.