Benedikt Esser, Präsident des Internationalen Bustouristik Verbandes RDA

Ein Gespräch über das neue Format der RDA Group Travel Expo in Köln, Unzumutbarkeiten der neuen Pauschalreiserichtlinie für die Bustouristik, und wie der Verband seine Mitglieder unterstützen wird, die neue Lage zu bewältigen.

 

Die RDA Group Travel Expo geht erstmals mit einem neuen Konzept an den Start. Was sind die größten Veränderungen?

 Wir gehen mit etlichen Neuerungen an den Start. Das ist einmal der neue Name. Die Aktualisierung von RDA-Workshop in RDA Group Travel Expo entspricht dem Profil internationaler Fachmessen der Gruppentouristik. RDA Group Travel Expo visualisiert einfach schneller, dass es sich um eine touristische Messe handelt. Und erstmals wird die Messe in Köln nur an zwei Messetagen stattfinden. Dafür bedienen wir die Einkaufsbedürfnisse der Bus- und Gruppentouristik aber mittlerweile an zwei Messestandorten – in Friedrichshafen und Köln an jeweils zwei Tagen.

 

Warum diese Neuerungen?

Gerade größere Reiseveranstalter äußerten den Wunsch nach einem früheren Termin, um begehrte Angebote früh zu sichern, Produkte und Innovationen, deren Umsetzung weitere Schritte und Zeit erfordern, frühzeitig einkaufen zu können. Und zwar nach der ITB, in deren Portfolio sich die speziellen Anforderungen der Gruppentouristik nicht abbilden. Angesichts des zeitlichen Spagats zwischen Frühjahr und Sommer haben wir mit zwei Wunschterminen mutige, offensive Entscheidungen getroffen. Außerdem haben wir erhebliche personelle und finanzielle Mittel für die Modernisierung der RDA Group Travel Expos aufgebracht.

 

Was sind die wichtigsten Themen der Messe – und wie werden sie präsentiert?

Der diesjährige Claim lautet kurz und prägnant: Europa für Profis! Denn auf den RDA Group Travel Expos präsentiert sich die komplette Bandbreite der Gruppentouristik. Von der Incoming-Agentur in Albanien bis zur Fremdenverkehrszentrale aus Zypern.

 

Nicht nur die Messe ist teils neu, auch an der Spitze des Verbandes gab es einen Wechsel, man kann sagen: eine Verjüngung. Was sind die Themen, die Sie mit Priorität angehen werden?

 Die Verjüngung an der Verbandsspitze hat es gegeben. Sie bietet neue Chancen einer Zusammenarbeit aller Generationen im Verband. Die Älteren geben ihre langjährige Erfahrung weiter und die Jüngeren bauen darauf neue Projekte auf.Darüber hinaus müssen wir die Leistungen für Mitglieder stärker in den Vordergrund rücken und deutlich kommunizieren. Außerdem wird uns die Internationalisierung weiter begleiten und die Digitalisierung steht allemal auf der Agenda.

 

Die EU-Pauschalreiserichtlinie hat den Bundestag passiert. Dadurch entsteht zusätzlicher Aufwand für die Unternehmen der Bustouristik. Was sind die wesentlichen Auswirkungen für die Branche?

 Das neue Reiserecht wird, wie von der EU-Pauschalreiserichtlinie vorgegeben, am 1. Juli 2018 in Kraft treten. Damit sind erhebliche Änderungen für Reiseveranstalter und Reisevermittler verbunden, angefangen von Reisebedingungen, die überarbeitet werden müssen, bis hin zu intensiven Schulungen der Mitarbeiter von Reiseveranstaltern und Reisemittlern zur neuen, teils komplizierten rechtlichen Situation und den zukünftig an die Kunden auszuhändigenden unterschiedlichen Formularen.

 

Welche weiteren Dinge an der neuen Richtlinie sind nicht gelungen?

Völlig unzumutbar ist unseres Erachtens, dass sich die Veranstalter zukünftig damit konfrontiert sehen, dass Reisegäste noch bis zu 24 Monate nach Beendigung der Reise rechtliche Ansprüche stellen können. Zu den weiteren Nachteilen zählen u.a. unnötiger Bürokratieaufwand durch die nunmehr vorgeschriebene Aushändigung unterschiedlicher Formulare bei jeder Reise, eine Verschlechterung der Rechtslage für Veranstalter im Fall höherer Gewalt und die mittelbare Förderung der Schwarztouristik durch den Gesetzgeber, etwa durch die Anhebung der Schwellengrenze für Tagesreisen, die nicht dem Reiserecht unterliegen, auf 500 Euro.

 

Gibt es auch positive Aspekte?

Zu den Vorteilen zählen, dass zukünftig Leistungsänderungen erheblich erleichtert werden, dass es flexibilisierte Fristen bei der Absage der Reise wegen Nichterreichens der Mindestteilnehmerzahl gibt, und dass die Preise zukünftig ohne die Vier-Monats-Sperrfrist um bis zu acht Prozent erhöht werden können.

 

Wie unterstützt der RDA seine Mitglieder in der Umsetzung der notwendigen Änderungen?

 Wir haben schnell reagiert und aktuelle Kompaktseminare zum Thema Novellierung des Reiserechts angeboten, die in kürzester Zeit ausgebucht waren und werden weitere anbieten, sofern die Notwendigkeit besteht. Außerdem ist unsere Rechtsberaterin, Rechtsanwältin Brigitte Bech-Schröder, für Rückfragen fast rund um die Uhr ansprechbar.

 

Die RDA-Akademie soll ausgebaut werden. Können Sie das erläutern?

Auch die Welt der Bus- und Gruppentouristik lebt nicht auf einer einsamen und ruhigen Insel, sondern steht im Sturm einer sich permanent ändernden Umwelt. Da ist auf der einen Seite eine europäische Gesetzgebung, die umgesetzt werden muss, aber erklärungsbedürftig ist. Auf der anderen Seite stehen die Digitalisierung und eine zunehmende Bedeutung der sozialen Medien, deren Nutzen und Vorteile wir erkennen und vermitteln müssen. Die Arbeit der Akademie wird also in den nächsten Jahren nicht ausgehen, sondern muss in Teilen schneller und aktueller werden. Da ist es gut, dass wir viele Seminare in der Geschäftsstelle in Köln abhalten können.

 

Wie läuft das Portal Bus.de? Wie viele Anfragen und Vermittlungen gab es bislang?

Bisher sind wir mit bus.de zufrieden. Schon der Sache nach kann bus.de kein Projekt sein, das von Anfang an mit vielen Anfragen punktet, sondern die Unternehmer müssen die Vorzüge und das Instrument erst verinnerlichen, damit es zum Selbstläufer wird. Hier sehe ich derzeit unsere Hauptaufgabe. Außerdem arbeiten wir dynamisch daran, dieses Portal ständig zu verbessern. Im Moment arbeiten wir an der Suchmaschinenoptimierung.